Der lang erwartete, heiß ersehnte, "müßte unbedingt mal gemacht werden" Blog unserer fast aller Abifahrt 2006 in die Provence ist da. Genau
HIER. Und jetzt müßte ihn unbedingt mal jemand machen.
Also, alle, die in der Provence waren (Anne darf natürlich auch ;) ), Internetzugang haben und ihre Bilder immer noch nicht bei Hanna abgegeben haben *räusper*, meldet euch an, sagt mir bescheid und ich stell ein, daß ihr was schreiben und Bilder reinstellen könnt.
Rattenfänger - 27. Sep, 15:17
Ich hätte meine Sandalen nie am Strand anziehen dürfen, schon gar nicht, wenn sie eigentlich noch zwei Wochen hätten halten sollen. Naja, das Wetter ist Gott sei Dank warm genug und die Wyker Fußgängerzone größtenteils scherbenfrei, wer braucht da schon Schuhe? Gut, ich hätte mir welche kaufen können. Immerhin gibt's drei Schuhgeschäfte nur in Wyk. Die Auswahl war allerdings alles andere als berauschend. Sandalen sind sowieso nur was für Spießer!
Und so war ich dann tatsächlich eine von zwei Verrückten, die im strömenden Regen barfuß auf dem MA-Markt herumgehumpelt sind (der zweite war ein "Bettler" mit auch sonst nicht grade üppiger Garderobe). Das Programm war recht gut, aber nach den ganzen Fidschis in Rom fand ich die Preise doch recht überteuert. Wieso kann man Schuhe auf Föhr nicht von 40 auf zwölf Euro runterhandeln, wenn dasselbe mit Sonnenbrillen in Rom funktioniert? Seufz. Also doch barfuß.
Das Wetter in den nächsten zwei Wochen war recht durchwachsen, was allerdings ganz angenehm war. Zu heiß wurde es jedenfalls nie, so daß ich mir ab und zu ein Rad ausleihen und auch den Rest der Insel genießen konnte. Zweimal bin ich sogar in der Rad'l-Rast eingekehrt, die mit echten bayrischen Brotzeiten und einer Bayernfahne werben. Eigentlich hatte ich ja gehofft, hier endlich meine Sulz zu kriegen (Seit Rom hab ich Appetit auf Sulz. Könnt ihr euch vorstellen, was das für eine Folter ist, wenn man erst im Ausland und danach wieder im Ausland ist? Und wie ekelhaft Fischsulz schmeckt?), aber die haben auch bloß Weißwürste.
Der Strand war natürlich wie immer herrlich und das Wasser mit um die 17° genau richtig zum Baden. Naja, einmal hab ich mich verschätzt mit dem Wasser. Nur weil diese bescheuerte Mittelbrücke im Weg war. Wer hätte schon gedacht, daß man bei Ebbe Richtung Südstrand getrieben wird? Und daß meine Eltern Panik kriegen, nur weil ich um die Brücke rumgeschwommen bin statt um eine Boje?
Der krönende Abschluß im wahrsten Sinne des Wortes war der letzte Abend. Für meine Mutter und mich auf jeden Fall, mein Vater und Bruder waren lieber daheim und haben Koffer gepackt und Auto eingeräumt. Schon wieder eine Arbeit gespart.
Am letzten Abend war nämlich eine Vorlesung der kleinen Meerjungfrau mit Kurt Timm, Klavierbegleitung und roter Grütze mit Vanillesauce. Auch wenn man nicht unbedingt ein Fan von Märchen ist hat es sich gelohnt. Kurt Timms Interpretation war einfach nur noch wunderschön, gerade wenn man in der Pause von der Veranda aus das Meer sehen kann. Und ich habe meine Leidenschaft für dänische Süßspeisen entdeckt :)
Und das war unser letzter gemeinsamer Familienurlaub... seufz. Schee wor's. Aber irgendwann bleib i doch noch durt, Föhr ist zu schön um es gegen irgendein Sternehotel am Mittelmeer einzutauschen :D
Rattenfänger - 17. Sep, 15:21
Auf der Fähre wird's erst richtig schön. Der Wind auf dem Oberdeck weht einem Kind die Wurst vom Brot und einer perfekt gestylten Mutter das Haarspray aus der ehemaligen Frisur. Herrlich. Ein etwa fünfjähriger Junger will seienr kleinen Schwester weismachen, daß das Nashörn von Föhr, das man grade so am Horizont erkennen kann, Sylt ist und beweist es sogar anhand einer Karte. Mein Bruder und ich lachen uns tot. Preußen, die sich nichtmal in Preußen auskennen, aber in Rom große Töne spucken. So hama's gern!
Und dann können wir endlich von Bord fahren und unsere Wohnung beziehen. Das heißt, wir könnten, wenn mein Vater sich nicht so beeilt hätte. So sind wir eine gute halbe Stunde zu früh dran und meine Eltern müssen erst noch einkaufen, mein Bruder und ich Kino- und Veranstaltunsprogramm und den Strandkorbschlüßel holen. Wir widerstehen der Versuchung, uns ein Eis bei Tessies Eisstube gleich nebenan zu holen. Auch wenn's verdammt schwerfällt, immerhin ist das das beste dänische Eis auf der ganzen Insel und das beste Eis überhaupt in Deutschland. Aber wir kommen wieder... hehehe.
Derweil kommt die Verwalterin langsam zum Postwohnheim, braucht allerdings erst eine Weile und einen Tipp von meinem Bruder, bis sie uns - "Die Neumanns!" - erkennt. Später kommen dann auch unsere Eltern vom Einkaufen, und nachdem das ganze Auto aus- und die Wohnung eingeräumt ist, gibt es gleich mal interessante Neuigkeiten. Föhr feiert heuer dreihundertjähriges Hafenjubiläum und dazu gibt es ab morgen einen Mittelalter-Markt und am Wochenende ein Feuerwerk. Es gibt einen Gott!
Fortsetzung folgt.
Rattenfänger - 31. Aug, 00:29
Ich liebe mein Leben. Gestern früh um acht war ich noch in Rom in einem Bus. Jetzt ist es zwei Uhr nachmittags und ich bin in Hamburg in einem Auto. Ist das Leben nicht einfach toll? Ich mag's :D
Und ich mag das renovierte Parkhaus in unserem Hotel in Bergedorf. Eine Ecke ist blau-weiß gestrichen und es kleben Plakate von Schloß Neuschwanstein mit der Bildunterschrift "Willkommen in Bayern" an der Wand. Wei daham! Bild folgt.
Der Sonntagnachmittag war nach der langen Fahrt entsprechend entspannend. Abends gehen wir wie immer nach Bad Segeberg zu den Karl May Festspielen, heuer das letzte Mal mit Gojko Mitic als Winnetou. Passenderweise wird Winnetou III gespielt und die Kinder schlagen sich unten beinah die Schädel ein, um den Schauspielern nach dem Stück die Hand abklatschen oder Gelberüben für die Pferde geben zu können. Es war ergreifend.
Mittlerweile will ich mich beinahe zwanghaft duschen. Gleich nach dem Auspacken war ich unter der Dusche und jetzt vor dem Schlafengehen schon wieder? Ich habe den Griff schon in der Hand, kann mich aber im letzten Moment vor einer Dummheit bewahren.
Nächster Tag, Montag. Der erste entspanndende Start in eine Woche seit... seit wann eigentlich? Seit dem Montag nach dem Palmsonntag? Und dann auch noch mit diesem genialen Frühstücksbüffet. Zum Reinlegen.
Wir machen wiedermal Sightseeing für solche, die Hamburg schon kennen, bummeln gemütlich durch die Hafen City, die größtenteils noch eine gigeantische Baustelle ist, wo man aber auch schon an vielen Stellen sehen kann, wie teuer hier die Mieten sein werden. Aber ein eigenes Stückchen Strand am Elbufer in einem Nobelmietshaus... wenn einer von euch nicht weiß, was er mir zum Geburtstag schenken soll, schenkt mir eine Wohnung mit Dachterrasse direkt an der Elbe. Der Waseberg ist sowas von out, ist der.
Die Runde geht weiter zur Speicherstadt und den Landungsbrücken. Bei dem herrlichen Wetter sind sie wiedermal überfüllt, aber aus gutem Grund. Von hier aus sehen wir auch den König den Löwen und die Musical-Fähre, aber heuer wird das leider nichts mehr. Wir spazieren gemütlich die Landungsbrücken entlang, aber in den letzten zwei Jahren hat sich nciht allzu viel verändert. Die Geschäfte sind immer noch der übliche Mix aus Souvenir- und Freßläden, dazwischen ein paar Ticketschalter für Hafenrundfahrten. Die anderen gönnen sich ein Eis, aber ich kann einfach nicht mehr. Die letzten sechs Tage hatte ich beinahe jeden Tag eine bis drei Portionen vom besten Eis der Welt. Ich kann dieses ... Zeug nicht runterwürgen. Die Eisdiele hatte weniger als 20 Sorten, nichtmal Mango war dabei! Also bitte.
Nach einer gemütlichen Pause schlendern wir weiter, Richtung alter Elbtunnel. Irgendjemand mag uns. Heute ist er für Autos gesperrt und wir können in aller Ruhe unsere Runde unter der Elbe durch drehen und die Kühle hier unten genießen. das heißt, die anderen genießen sie. Mir ist immer noch nicht ganz wohl bei dem Gedanken daran, daß ich bei 25 Grad mit nichts anderem als einem T-Shirt herumlaufe. Versteht mich nicht falsch, ich friere nicht, aber aufeinmal nicht mehr zu schwitzen ist beinahe unheimlich.
Mit der "U-Bahn", die in Hamburg größtenteils oberirdisch verläuft und einen hervorragenden Ausblick auf die Stadt bietet, fahren wir zum Rathausplatz. Dort ist heute nicht nur Christopher Street Day (in angenehmer Entfernung, man hört nur was, wenn der Wind günstig steht) sondern auch noch das Schwäbische Weindorf aufgebaut. Ich bin immer noch so richtig schön in Frascati drin und sage natürlich nicht nein, vor allem, weil die Schwaben uns noch halbwegs an daheim erinnern (ein bißchen mehr als die Hamburger, aber auf keinen Fall mehr als das Plakat in der Garage) und es reichlich Zwiebel- und Flammkuchen gibt. Und Waffeln, wahlweise mit Schoko oder frischen Erdbeeren und Erdbeersauce. Ich bestelle eine mit Erdbeeren und kriege aus Versehen Schokosauce drauf. Es gibt einen Gott, und er liebt mich!
Abends wollen meine Eltern in den Botanischen Garten und die "Planten un Bloomen"-Vorstellung zu sehen, Wasser- und Lichtspiele mit Musik. Meine Füße sind jenseits von Kühlgel und ich schlafe beinahe auf meinen Füßen ein. Außerdem hab ich das vor fünf Jahren schonmal gesehen. Nur noch unter die Dusche und dann ins Bett...
Es ist ein wundervoller Dienstagmorgen nach einer viel zu kurzen Montagnacht, aber bei so einem Frühstücksbüffett steh sogar ich gerne auf. Noch dazu, weil ich heut endlich neue Schuhe kriege! Meine Sandalen kann ich nur noch anziehen, wenn ich mich mit den Zehen reinkralle und das Loch in meinen Turnschuhen wird auch nicht kleiner. Bald werde ich nur noch die Option zwischen Winterstiefeln und barfuß haben. Aber heute wird einstimmig zum Einkaufstag bestimmt.
Also, auf zum Mercado, dem Harrod's für Arme in Hamburg! Sobald wir aus der U-Bahn aussteigen, steuern meine Mutter und ich zielstrebig den Nanu-Nana an, der tatsächlich sehr viel schönere Sachen als der in Weiden hat. Was für eine Überraschung aber auch. Ich erwähne das bloß, weil ich hier etwas für Nadja, Leni, Rocco und Maria gesehen habe. Freut euch drauf ;)
Im Mercado bekommt jeder seine Freizeit und ich zeihe prompt mit meinem Brudrer los und komme mit vor, als hätte ich Anne und Eva dabei. Die nächste Dreiviertelstunde bleiben wir im H&M hängen. Ich hätte mir beinahe einen Hut gekauft, erinnere mich aber gerade noch rechtzeitig daran, daß ich kein diözesanes Erkennungszeichen mehr brauche und daß ich auch nicht mehr tot umfalle, wenn ich ohne Hut nach draußen geh. Dann endlich können wir in die Elektronikabteilung und die Spiele durchschauen. Natürlich gibt es kein einziges, das runtergesetzt wäre. Ich bin maßlos enttäuscht und beschließe, das nächste Mal in Weiden einkaufen zu gehen. Wenigstens lösen die H&M-Shirts nicht wieder den Alarm des Elektrogeschäfts aus wie vor zwei Jahren.
Es folgt eine unschöne Episode in einem italienischem Schnellrestaurant im ersten Stock, wo mein Bruder nur auf Bayrisch und ich in einem Gemisch aus Bayrisch, Hochdeutsch und Italienisch beim deutsch-türkischen Kellner bestelle. Es gibt Reflexe, die man sich besser abgewöhnen sollte.
Ein Gutes hatte das Mittagessen aber doch, abgesehen davon, daß es gut war. In unserem Blickfeld waren gleich drei Schuhgeschäfte. Nachdem wir alle drei abgeklappert haben ohne auch nur im entferntesten so etwas wie einen schönen Schuh zu finden, treffen wir uns wieder mit unseren Eltern und gehen prompt schon wieder Eisessen. Ich weigere mich standhaft, dazubleiben und schaue derweil in den Hugendubel.
Als ich wiederkomme hat mein Bruder einen Früchtebecher bestellt, in den ich mich wirklich problemlos hätte reinlegen können, in dem als Krönung ein Fächer steckt (Bild folgt). Kann man den Kerl denn keine halbe Stunde allein lassen? Jetzt soll ich auch noch die ganzen Früchte essen weil er natürlich keine Früchte mag. Logisch, warum sonst sollte man sich einen Früchtebecher bestellen? Ich hau ihm demonstrativ mit dem Fächer auf den Kopf und stelle fest, daß der Fächer wie eine Trommel klingt, wen man ihn gegen irgendetwas schlägt. Womit wir die nächsten zehn Minuten verbracht haben, dürfte klar sein. Als die Wirkung des Fächers ausgereizt war, beschließen Ludwig und ich, in die Zoohandlung zu gehen und die Fische zu ärgern. Hehe.
Nachdem wir die Fische ausreichend verarscht haben und einen Verkäufer gefragt haben, ob es beim Kauf einer Schlange fünf Mäuse gratis dazu gibt, verlassen wir samt Eltern und vollen Einkaufstüten den Mercado und durchsuchen den Schuhladen nebenan. Ich finde Flip-Flops für den Strand, mehr aber auch nicht. Hoffentlich haben wir verdammt schönes Wetter auf der Insel.
Eigentlich wollten wir jetzt noch zu Innenalster und in die Fußgängerzone, aber irgendwie ist jeder geschafft, und am Strand kann man sowieso barfuß gehen, und überhaupt wollten wir noch ans Elbufer, also setzen wir uns in die nächste U-Bahn Richtung Blankenese und nehmen den Bus zum Elbufer. Mittlerweile bin ich froh, einen Pulli gekauft zu haben. Es sieht nach Regen aus, aber irgendwer da oben mag mich und läßt uns in aller Ruhe den frühen Abend an der Elbe genießen. Es regnet erst, als wir gemütlich im Bus sitzen und hört wieder auf, als wir umsteigen müssen um zur U-Bahn zurückzufahren.
Hamburg ist eine wunderschöne Stadt, aber in der Nacht und bei Regen (und mit diesem Busfahrer: "Hummel hummel, moin moin, guten Tag, einen wunderschönen Feierabend zusammen und ein herzliches Grüßgott an unsere bayrischen Gäste.") würd ich es gegen kein Rom der Welt eintauschen. Welcher Idiot ist eigentlich auf die Idee gekommen, das Berlin Hauptstadt spielen soll?
Mittwoch. MittwochMORGEN, das heißt, das ist das letzte Mal, daß ich dieses Büffet mit dem ich aufgewachsen bin (jedenfalls in den ersten drei Tagen im Urlaub), benutzen darf. Und das tu ich auch, soll ich doch Bauchweh kriegen bis es mich zerreißt, heute ist sowieso schon wieder ein Autotag.
Heute geht es nämlich endlich dahin, wo ich shcon seit einem halben Jahr hinwill. Nach Föhr. Gleich nach dem Frühstück fahren wir. Endlich.
Etwas stimmt heuer nicht. Etwas ist ungewöhnlich, direkt unheimlich. Wir müssen auf die Fähre warten. Eine ganze Viertelstunde. Ich kann mich vage daran erinnern, daß wir einmal eine ganze Stunde haben müssen, aber damals hatte ich noch Zahnlücken! Seitdem waren wir zur Überfahrt so pünktlich, daß uns der Kontrolleur einmal nur noch "Viel Glück!" gewünscht hat. Das kann nichts Gutes bedeuten. Hoffentlich haben wir keinen Schiffbruch.
Rattenfänger - 30. Aug, 22:46
Furchtbar. Müde. Aber zum Glück nicht verkatert. Fertig zur Abfahrt? Oh nein. Packen. Ächz. Ich hab gedacht, das hab ich gestern... ?
Ich freue mich schon wieder richtig auf daheim, aber erstmal heißt es warten, bis alle anderen Gruppen abgefahren sind. Warum muß die Verantwortliche vond er Diözese ausgerechnet in unserem Bus sitzen? Endlich sind die anderen Transusen fertig. Ich setze mich in den Bus und schon fühle ich mich wieder wie ein richtiger Mensch. Ich kann sogar wieder in ganzen Sätzen sprechen. Zumindest die ersten paar Minuten, dann entdämmere ich sanft in selige Dunkelheit, weitab von allen ---
BLI-ÜP!
Ich hasse sie! Kann die Frau wirklich keine fünf Stunden am Stück die Klappe halten, IST DAS DENN ZU VIEL VERLANGT?! Verdammt nochmal!
Etwa eineinhalb Stunden später...
Ich halt's nimmer aus. Mit dem Mikro hat Gabin noch nie umgehen können, alle halbe Sätze muß sie es wieder einschalten, mit einem Bli-üp daß kein Tauber mehr schlafen kannt.
Später, in der Toskana...
NEIN! NEIN! Bitte nicht, nicht die "kölsche Frohnatur", nicht singen, NEEEEEIIIIIIIN!
(Gott sei Dank hat das der ganze Bus geschrien, sodaß sie wenigstens zum Schmollen mal den mund zugemacht hat. SIEG! Aber das kann nichts Gutes heißen.)
Madagaskar. Wir schauen Madagaskar an. Endlich seh ich Leute mit mehr Verstand als unsere Busbegleitung. Die Vorschriftspausen von Thomas sind die reinste Erlösung.
Später, am Brenner...
GEIL! Wiedermal Vorschriftspause und wißt ihr was? JEDER ist für 30 bis 40° angezogen. Wie viel hat's am Brenner? Na? Na? Dreizehn! GEIL!
Später, irgendwo in den österreichischen Alpen...
NEIN! NEIN! NEIN! Bitte, bitte SING! Sing ti amo oder irgendeinen anderen Schmarrn, den du hundert Pro versaust, aber TU WAS ANDERES ALS UNS AUF "KÖLSCH" VON FRANZ UND SISSI ZU ERZÄHLEN, BLOSS WEIL WIR IN ÖSTERREICH SIND! HALT DEI MAAL!!!
(Mein Zustand wird bedenklich. Mein linkes Auge zuckt und ich kralle die Hände abwechselnd in Sitz und Vorhang, um Krämpfe zu vermeiden. Die psychische Qual ist unvorstellbar. Ich überlege, schizophren zu werden und teste die Reißfestigkeit des Vorhangs. Keiner in meiner unmittelbaren Nähe Waffen oder waffenähnliche Gegenstände bei sich.)
Später, jenseits von Hoffen und Bangen, irgendwo zwischen Verzweiflung und Amoklauf...
Es ist schlimmer als alles, was sich ein geistig normaler Mensch vorstellen kann. Gabi hat das Mikro. Ich bekomme am Rande meines Bewußtseins mit, daß wir die bayerische Grenze passiert haben. Heimat! Ein seliges Lächeln sowie unsere Nationalhymne (die bayerische) breitet sich im ganzen Bus aus. Nicht lange.
Gabi ist der Meinung, daß wir eindeutig zu lange im Ausland waren, und daß wir deswegen logischerweise unsere Muttersprache verlent haben. Also bringt und Gabi Oberpfälzisch bei. Sie spricht uns also eine rabenschwarze Viertelstunde sämtliche Wörter unseres Sprachraums vor, in denen ou vorkommt. Ich kann nicht mehr und schlage verzweifelt auf den Stop-Knopf ein.
"Es git koin Schleudersitz!" Julias Kommentar ist ebenso herzlos wie resigniert.
Gabi fängt an zu rappen. Ihr ist - blitzgescheit - das Oberpfälzer Äquvalent zum Oachkatzlschwoaf eingefallen. Und jetzt klatscht der ganze Bus im "Rhytmus" des "Raps" (Sprechpausen werden durch Leerzeichen/Absätze verdeutlicht):
"Dou da - dierd a da,
Dou da - dierd a da,
Dou da - dierd a da A!
Tschak!
Tschak!
Wimmernd donnere ich meinen Kopf gegen die Scheibe, einerseits weil ich das Glas heraussprengen und aussteigen will, andererseits weil ich auf eine Ohnmacht hoffe. Beides ist nicht der Fall und versuche krampfhaft, mich am Vorhang aufzuhängen. Die deprimierende Erkenntnis ist, daß ich den Vorhang dabei selbst festhalten müßte. Also knalle ich wieder den Schädel gegen das Glas.
Später, eine göttliche halbe Stunde vor Regensburg
Ich habe Kopfweh, nicht nur wegen meiner Radikaltherapie. Die Boum veranstalten den größten Scheiß. Es ist ungefähr zehn Uhr abends und jeder (einschließlich Busbegleitung) will schlafen oder schläft schon, und die machen da hinten einen Lärm, daß nichtmal Oropax was hilft. Auch nicht besonders hilfreich war Peter, der blede Hund, der mich grundsätzlich immer dann mit Blitzlicht photographiert, wenn ich gerade eingeschlafen bin. Auf meine mittlerweile nicht mehr ganz so freundlichen Aufforderungen, den Scheiß verdammt nochmal sein zu lassen, reagiert er mit Analsex-Drohungen. Die Grenze vom Mensch zum Tier ist endgültig überschritten. Ich nehme mir vor, ihn so zum Lachen zu bringen, daß es ihm sein Kinn zerreißt, erinnere mich aber vage daran, daß ich auf einer Wallfahrt bin und klappe stattdessen meinen Sitz bis zum Anschlag zurück.
Dann endlich! Der letzte Gottesdienst! Über die Lautsrpecher dudelt "Unterwegs in eine neue Welt" (Das Lied ist schlimm genug, wenn man es einmal hört. Was es allerdings mit einem menschlichen Gehirn anrichtet, wenn es 14 Stunden am Stück ohnehin schon angeschlagene Geister vollnölt, darüber will ich gar nicht nachdenken.), das Lied der letzten Internationalen Ministrantenwallfahrt. Das aktuelle (wunderschöne) hat Gabi nicht auf CD, deswegen singt sie es selbst, oder versucht es zumindest, bis alle anderen dann schließlich richtig singen und sie sich wohl oder übel anpassen muß.
Als ich dann endlich aussteigen kann, strahle ich über das ganze Gesicht. Endlich daheim! Herrlich. Und in knapp vier Stunden breche ich auf nach Hamburg. Gerade genug Zeit für einen frischen Kaffee (Mama, ich liebe dich!) und um den nächsten Koffer zu packen...
Rattenfänger - 25. Aug, 18:24
Es regnet. Und wie es regnet! Herrlich. Nach dem strahlenden Sonnenschein im Juli und in Rom hab ich scon gar nciht mehr daran geglaubt, daß es je wieder schön wird.
Natürlich scheint hier auch die Sonne, aber nciht so aufdringlich, daß man davon Kopfweh kriegen würde. Gestern war's zum Beispiel grad richtig zuM Schwimmen und vorgestern grad richtig zum Radfahren.
Und weil mir jetzt langsam das Geld ausgeht (44 Sekunden) ein ganz schnelles Servus!
Rattenfänger - 18. Aug, 14:57
Das Abendessen gestern war sowas von gut! Vorspeise zum Reinlegen, riesiger Hauptgang und ne super Nachspeise, und das jeden Tag. Ich liebe italienisches Abendessen. Was wird's denn dann erst heute Gutes zum Frühstück geben?
Nichts. Oder besser: Nichts mit handtellergroßen, vom Abendessen übriggebliebenen Weißbrotstücken, Milchkaffee (den Kaffee hat man suchen müßen...), und Sparportionen Marmelade. Nein, kein Butter. Naja... man muß nehmen, was man kriegt.
So gestärkt bringt uns Thomas schnell zur Endstation der Metro (Linie A, für die Interessierten), wo wir uns gleich wie zuhause, bzw. an der tschechischen Grenze, fühlen: ein Fidschimarkt! Da wir allerdings nicht 14 Stunden gefahren sind, um die italienischen mit den tschechischen Fidschis zu vergleichen, hetzt Gabi uns weiter in die herrlich klimatisierte Metro und ans andere Ende von Rom, in die Via Ottaviano, einer von weiteren Fidschis beschlagnahmten Straße, die uns direkt zum Petersplatz führt. Hier hatten wir die erste von vielen Begegnungen mit Ministrantengruppen aus anderen Ländern, erkennbar an Halstüchern und Fahnen: Ungarn (orange), Österreich (rot) und die Kerle mit der Deutschlandfahne müßen Preußen sein.
Es SIND Preußen, denn aufeinmal singt da irgendwer zu unseren Fahnenträgern rüber, daß man den Bayern die Lederhosn ausziehen soll. HALLO?! Wer hat diese preißischen Saukepf überhaupt nach Rom eingeladen, wo kommt der her? Wir sind so geschockt und in unserem Nationalstolz und unserem Glauben an Deutschland so tief getroffen, daß uns nichteinmal eine passende Erwiderung einfällt.
Am Petersplatz angekommn wird erstmal einstudiert, was in den nächsten Tagen Standartprogramm wird: Blau-weiße Rautenfahne suchen, Wasserstelle suchen, Trinkwasser nachfüllen und dann zur verzweifelt zählenden Gabi rennen und möglichst unschuldig-interessiert dreinschauen.
Der Petersplatz ist riesig, genauso der Petersdom. Man kann sichd as gar nciht richtig vorstellen, bis man selbst mal drin gewesen ist. Und selbst wenn man dann unter der Kuppel mit dem Petersgrab steht, wie groß das Ding tatsächlich ist, sieht man erst wenn man raufklettert. Ach ja, ich hab dem heiligen Petrus seine verdammten Füße weder gestreichelt noch geküßt, und zwar demonstrativ.
Jetzt würde ich gerne sagen gesagt, getan, wir sind auf die Kuppel gestiegen. IN Wirklichkeit hat das dann so ausgeschaut, daß wir ungefähr eine Stunde angestanden sind, bis wir uns dann tatsächlich anstellen durften. Und das in einer Menschenmenge, in der man bei meiner Größe egal wo man sich hindreht ständig den Kopf unter irgendeiner Achselhöhle hat. Gott sei Dank ist mit uns eine Gruppe aus Wien angestanden, mit denen hat man sich ganz nett unterhalten können.
Die folgenden drei Stunden haben wir damit verbracht (zumindest der Teil, der auf die Kuppel und nicht in die Gräber wollte) Treppen zu hochsteigen, uns den Petersdom von innen anzusehen und die Treppen wieder runterzusteigen. Jetzt ist der Dom sowas von riesig und dann bauen sie die Treppenhäuser immer noch so, daß ich Platzangst krieg. Katholiken sind unsympathisch, und ich weiß warum.
Aber, oh Mann, hat sich das gelohnt. Der Petersdom von oben innen war ja schon ein Anblick, aber Rom und der Vatikan von oben außen... herrlich. Überall diese schönen gelblichen Häuser (der letzte Anstrich ist bei den meisten schon etwas her) mit den grünen Fensterläden, der blaue Himmel und überall grüne Parks. Ganz zu schweigen von den vielen antiken Bauwerken. Die fallen auf den ersten Blick gar nicht auf, aber wenn man sich mal ein paar Minuten lang nur einen Tempel anschaut meint man fast, tatsächlich im antiken Rom zu sein, weil man nirgends Beton-Stahl-Schuhschachtel-Hochhäuser hat.
Von da oben aus kann man auch ganz gut unser nächstes Ziel erkennen: den Park bei der Engelsburg. Die Engelsburg und vor allem die Engelsbrücke war wieder mit Fidschis besetzt, was besonders lustig war wenn einer spontan"Polizia!" geschrien hat.
Nach einer kurzen Pause ging's dann weiter zum Eröffnungsgottesdienst für die Regensburger: die Lateran-Basilika. Wir waren etwas zu spät dran, entsprechend hat das dann im Inneren ausgeschaut. An jeder Säule lehnt bereits ein Grüppchen teils desinteressiert-verzweifelter, teils fröhlich-kartenspielender-oder-sonst-einen-Schmarrrn-machender Ministranten mit Rucksack und Regensburger Hut. Wie in nem Katastrophengebiet, als hätte es in letzter Zeit ein Erdbeben gegeben und nur der Lateran steht noch. Der Rest des Gottesdienstes war recht amüsant. Wir haben zwar weder den Bischof gesehen noch sind wir (aus Protest) zur Kommunion gegangen, aber dafür war das Tic-Tac-Schießen, Filmen und Kartenspielen recht nett, ja.
Der richtige Abschluß für so einen tollen Tag war der anschließende Besuch im Supermarkt. Also, eigentlich war der Supermarkt ja die Vorbereitung für einen richtig tollen Abschluß des Tages. Immerhin ist Frascati ein weltberühmter Weinort und, ja... guat hat's gschmeckt. Und außerdem hatten wir ja Krankenversicherungskarten dabei und die Malteser im Haus, ideale Bedingungen zum Komasaufen also.
Rattenfänger - 12. Aug, 14:22
Hallo alle zusammen und schöne Grüße aus dem momentan ziemlich grauen und mäßig verregnetem Wyk auf Föhr!
Eigentlich hätte ich euch allen eine Karte schicken sollen, ich weiß. Und Eva wird stinksauer auf mich sein, wenn sie selber wieder daheim ist und keine Karte aus Rom gekriegt hat. Aber die Sache ist die: Ich hab mittlerweile dreizehn Einträge in meinem Buch der Coolen Leute plus eine Oma plus eine, die nicht drinsteht, aber trotzdem sauer wird wenn sie keine Karte kriegt. Das macht fünfzehn mal Karte (was an sich nicht das Problem ist, weil man in Rom 20 für einen Euro kriegt) und Porto, was schon problematischer ist bei den unverschämten 62 Cent, die die Vatikan-Post verlangt. Und dazu kommen nochmal die gleiche Anzahl Karten und Briefmarken aus Hamburg und Föhr. Sagt was ihr wollt, aber ab einem gewissen Preis verlieren sogar Evas Todesdrohungen ihren Schrecken ;P
Als Ausgleich hab ich für die, die's interessiert ein Reisetagebuch angelegt (natürlich auch für die die's nicht interessiert, aber die werden's eh nicht lesen). Und für die, die unbedingt Karten haben wollen, werde ich bald welche aus Rom, Hamburg und Wyk einscannen, sobald ich wieder einen Scanner hab, am 22. oder 23. August also ungefähr. Und ich werd mich bemühen, Druckqualität hinzukriegen, immerhin hänge ich an meinem Leben.
Rattenfänger - 12. Aug, 13:40