Romgrüße

Freitag, 6. Oktober 2006

Wo sind denn die ganzen Grüße hin?

Obwohl ich es ja geradezu darauf angelegt habe, kamen nicht ein einziges Mal Beschwerden von offizieller Seite über meinen stellenweise ganz beabsichtigt polemischen Bericht über die heurige CIM, die internationale Ministranten-Wallfahrt nach Rom.

Ich habe es ihr aber auch schon nicht leicht gemacht, der offiziellen Seite. In den allerhintersten Winkel des Internets, auf einem Blog mit nur einem einzigen registriertem Benutzer und (ehemals) zwölf Beiträgen, ohne jegliche Links zu offiziellen oder auch nur inoffiziellen CIM-Seiten führe ich ein Tagebuch, von dem ich glaubte, ich könnte reinschreiben, was ich will, weil es an allerhöchstens 20 Personen gerichtet ist (von denen nur 2 mal Ministranten waren). Tja, in der Geschichte haben immer wieder mal Leute versucht, sich mit der katholischen Kirche anzulegen, und die meisten sind bei dem Versuch gestorben.

Aber jetzt endlich ist es soweit: Gestern habe ich einen Anruf aus dem Pfarrbüro erhalten. Das Diözesanbüro Regensburg hat aufgrund einiger nationaler sowie regionaler Anspielungen den Verdacht, daß das schwarze Schäfchen aus der Pfarrei Neustadt/WN stammen könnte. Die werte Verfasserin möchte doch ihr Internettagebuch noch einmal durchlesen und überlegen, ob sich nicht die eine oder andere Person vom Inhalt angesprochen fühlen könnte.

Also entschuldige ich mich hiermit in aller Form bei allen Personen, die sich von ehemaligen Teilen meines Blogs angesprochen fühlen könnten. Ich habe das CIM-Tagebuch vom Server entfernt und stelle eine Offline-Version gerne allen zu Verfügung, die sich angesprochen fühlen sollten.

Gewidmet ist dieser Beitrag demjenigen, der beim googeln über dieses höchstprivate Tagebuch gestolpert ist und mich sogleich über höchstoffizielle Stelle auf den rechten Pfad der Tugend zurückführen wollte. Das nächste Mal ist dies auch über meine hier angegebene Mailadresse möglich.

Freitag, 25. August 2006

Sechster Tag - Weg! Raus! Heim!

Furchtbar. Müde. Aber zum Glück nicht verkatert. Fertig zur Abfahrt? Oh nein. Packen. Ächz. Ich hab gedacht, das hab ich gestern... ?

Ich freue mich schon wieder richtig auf daheim, aber erstmal heißt es warten, bis alle anderen Gruppen abgefahren sind. Warum muß die Verantwortliche vond er Diözese ausgerechnet in unserem Bus sitzen? Endlich sind die anderen Transusen fertig. Ich setze mich in den Bus und schon fühle ich mich wieder wie ein richtiger Mensch. Ich kann sogar wieder in ganzen Sätzen sprechen. Zumindest die ersten paar Minuten, dann entdämmere ich sanft in selige Dunkelheit, weitab von allen ---
BLI-ÜP!
Ich hasse sie! Kann die Frau wirklich keine fünf Stunden am Stück die Klappe halten, IST DAS DENN ZU VIEL VERLANGT?! Verdammt nochmal!

Etwa eineinhalb Stunden später...

Ich halt's nimmer aus. Mit dem Mikro hat Gabin noch nie umgehen können, alle halbe Sätze muß sie es wieder einschalten, mit einem Bli-üp daß kein Tauber mehr schlafen kannt.

Später, in der Toskana...

NEIN! NEIN! Bitte nicht, nicht die "kölsche Frohnatur", nicht singen, NEEEEEIIIIIIIN!
(Gott sei Dank hat das der ganze Bus geschrien, sodaß sie wenigstens zum Schmollen mal den mund zugemacht hat. SIEG! Aber das kann nichts Gutes heißen.)
Madagaskar. Wir schauen Madagaskar an. Endlich seh ich Leute mit mehr Verstand als unsere Busbegleitung. Die Vorschriftspausen von Thomas sind die reinste Erlösung.

Später, am Brenner...

GEIL! Wiedermal Vorschriftspause und wißt ihr was? JEDER ist für 30 bis 40° angezogen. Wie viel hat's am Brenner? Na? Na? Dreizehn! GEIL!

Später, irgendwo in den österreichischen Alpen...

NEIN! NEIN! NEIN! Bitte, bitte SING! Sing ti amo oder irgendeinen anderen Schmarrn, den du hundert Pro versaust, aber TU WAS ANDERES ALS UNS AUF "KÖLSCH" VON FRANZ UND SISSI ZU ERZÄHLEN, BLOSS WEIL WIR IN ÖSTERREICH SIND! HALT DEI MAAL!!!
(Mein Zustand wird bedenklich. Mein linkes Auge zuckt und ich kralle die Hände abwechselnd in Sitz und Vorhang, um Krämpfe zu vermeiden. Die psychische Qual ist unvorstellbar. Ich überlege, schizophren zu werden und teste die Reißfestigkeit des Vorhangs. Keiner in meiner unmittelbaren Nähe Waffen oder waffenähnliche Gegenstände bei sich.)

Später, jenseits von Hoffen und Bangen, irgendwo zwischen Verzweiflung und Amoklauf...

Es ist schlimmer als alles, was sich ein geistig normaler Mensch vorstellen kann. Gabi hat das Mikro. Ich bekomme am Rande meines Bewußtseins mit, daß wir die bayerische Grenze passiert haben. Heimat! Ein seliges Lächeln sowie unsere Nationalhymne (die bayerische) breitet sich im ganzen Bus aus. Nicht lange.

Gabi ist der Meinung, daß wir eindeutig zu lange im Ausland waren, und daß wir deswegen logischerweise unsere Muttersprache verlent haben. Also bringt und Gabi Oberpfälzisch bei. Sie spricht uns also eine rabenschwarze Viertelstunde sämtliche Wörter unseres Sprachraums vor, in denen ou vorkommt. Ich kann nicht mehr und schlage verzweifelt auf den Stop-Knopf ein.

"Es git koin Schleudersitz!" Julias Kommentar ist ebenso herzlos wie resigniert.

Gabi fängt an zu rappen. Ihr ist - blitzgescheit - das Oberpfälzer Äquvalent zum Oachkatzlschwoaf eingefallen. Und jetzt klatscht der ganze Bus im "Rhytmus" des "Raps" (Sprechpausen werden durch Leerzeichen/Absätze verdeutlicht):

"Dou da - dierd a da,


Dou da - dierd a da,


Dou da - dierd a da A!






Tschak!



Tschak!


Wimmernd donnere ich meinen Kopf gegen die Scheibe, einerseits weil ich das Glas heraussprengen und aussteigen will, andererseits weil ich auf eine Ohnmacht hoffe. Beides ist nicht der Fall und versuche krampfhaft, mich am Vorhang aufzuhängen. Die deprimierende Erkenntnis ist, daß ich den Vorhang dabei selbst festhalten müßte. Also knalle ich wieder den Schädel gegen das Glas.


Später, eine göttliche halbe Stunde vor Regensburg

Ich habe Kopfweh, nicht nur wegen meiner Radikaltherapie. Die Boum veranstalten den größten Scheiß. Es ist ungefähr zehn Uhr abends und jeder (einschließlich Busbegleitung) will schlafen oder schläft schon, und die machen da hinten einen Lärm, daß nichtmal Oropax was hilft. Auch nicht besonders hilfreich war Peter, der blede Hund, der mich grundsätzlich immer dann mit Blitzlicht photographiert, wenn ich gerade eingeschlafen bin. Auf meine mittlerweile nicht mehr ganz so freundlichen Aufforderungen, den Scheiß verdammt nochmal sein zu lassen, reagiert er mit Analsex-Drohungen. Die Grenze vom Mensch zum Tier ist endgültig überschritten. Ich nehme mir vor, ihn so zum Lachen zu bringen, daß es ihm sein Kinn zerreißt, erinnere mich aber vage daran, daß ich auf einer Wallfahrt bin und klappe stattdessen meinen Sitz bis zum Anschlag zurück.

Dann endlich! Der letzte Gottesdienst! Über die Lautsrpecher dudelt "Unterwegs in eine neue Welt" (Das Lied ist schlimm genug, wenn man es einmal hört. Was es allerdings mit einem menschlichen Gehirn anrichtet, wenn es 14 Stunden am Stück ohnehin schon angeschlagene Geister vollnölt, darüber will ich gar nicht nachdenken.), das Lied der letzten Internationalen Ministrantenwallfahrt. Das aktuelle (wunderschöne) hat Gabi nicht auf CD, deswegen singt sie es selbst, oder versucht es zumindest, bis alle anderen dann schließlich richtig singen und sie sich wohl oder übel anpassen muß.

Als ich dann endlich aussteigen kann, strahle ich über das ganze Gesicht. Endlich daheim! Herrlich. Und in knapp vier Stunden breche ich auf nach Hamburg. Gerade genug Zeit für einen frischen Kaffee (Mama, ich liebe dich!) und um den nächsten Koffer zu packen...

Samstag, 12. August 2006

Zweiter Tag - Vatikan

Das Abendessen gestern war sowas von gut! Vorspeise zum Reinlegen, riesiger Hauptgang und ne super Nachspeise, und das jeden Tag. Ich liebe italienisches Abendessen. Was wird's denn dann erst heute Gutes zum Frühstück geben?

Nichts. Oder besser: Nichts mit handtellergroßen, vom Abendessen übriggebliebenen Weißbrotstücken, Milchkaffee (den Kaffee hat man suchen müßen...), und Sparportionen Marmelade. Nein, kein Butter. Naja... man muß nehmen, was man kriegt.

So gestärkt bringt uns Thomas schnell zur Endstation der Metro (Linie A, für die Interessierten), wo wir uns gleich wie zuhause, bzw. an der tschechischen Grenze, fühlen: ein Fidschimarkt! Da wir allerdings nicht 14 Stunden gefahren sind, um die italienischen mit den tschechischen Fidschis zu vergleichen, hetzt Gabi uns weiter in die herrlich klimatisierte Metro und ans andere Ende von Rom, in die Via Ottaviano, einer von weiteren Fidschis beschlagnahmten Straße, die uns direkt zum Petersplatz führt. Hier hatten wir die erste von vielen Begegnungen mit Ministrantengruppen aus anderen Ländern, erkennbar an Halstüchern und Fahnen: Ungarn (orange), Österreich (rot) und die Kerle mit der Deutschlandfahne müßen Preußen sein.

Es SIND Preußen, denn aufeinmal singt da irgendwer zu unseren Fahnenträgern rüber, daß man den Bayern die Lederhosn ausziehen soll. HALLO?! Wer hat diese preißischen Saukepf überhaupt nach Rom eingeladen, wo kommt der her? Wir sind so geschockt und in unserem Nationalstolz und unserem Glauben an Deutschland so tief getroffen, daß uns nichteinmal eine passende Erwiderung einfällt.

Am Petersplatz angekommn wird erstmal einstudiert, was in den nächsten Tagen Standartprogramm wird: Blau-weiße Rautenfahne suchen, Wasserstelle suchen, Trinkwasser nachfüllen und dann zur verzweifelt zählenden Gabi rennen und möglichst unschuldig-interessiert dreinschauen.

Der Petersplatz ist riesig, genauso der Petersdom. Man kann sichd as gar nciht richtig vorstellen, bis man selbst mal drin gewesen ist. Und selbst wenn man dann unter der Kuppel mit dem Petersgrab steht, wie groß das Ding tatsächlich ist, sieht man erst wenn man raufklettert. Ach ja, ich hab dem heiligen Petrus seine verdammten Füße weder gestreichelt noch geküßt, und zwar demonstrativ.

Jetzt würde ich gerne sagen gesagt, getan, wir sind auf die Kuppel gestiegen. IN Wirklichkeit hat das dann so ausgeschaut, daß wir ungefähr eine Stunde angestanden sind, bis wir uns dann tatsächlich anstellen durften. Und das in einer Menschenmenge, in der man bei meiner Größe egal wo man sich hindreht ständig den Kopf unter irgendeiner Achselhöhle hat. Gott sei Dank ist mit uns eine Gruppe aus Wien angestanden, mit denen hat man sich ganz nett unterhalten können.

Die folgenden drei Stunden haben wir damit verbracht (zumindest der Teil, der auf die Kuppel und nicht in die Gräber wollte) Treppen zu hochsteigen, uns den Petersdom von innen anzusehen und die Treppen wieder runterzusteigen. Jetzt ist der Dom sowas von riesig und dann bauen sie die Treppenhäuser immer noch so, daß ich Platzangst krieg. Katholiken sind unsympathisch, und ich weiß warum.

Aber, oh Mann, hat sich das gelohnt. Der Petersdom von oben innen war ja schon ein Anblick, aber Rom und der Vatikan von oben außen... herrlich. Überall diese schönen gelblichen Häuser (der letzte Anstrich ist bei den meisten schon etwas her) mit den grünen Fensterläden, der blaue Himmel und überall grüne Parks. Ganz zu schweigen von den vielen antiken Bauwerken. Die fallen auf den ersten Blick gar nicht auf, aber wenn man sich mal ein paar Minuten lang nur einen Tempel anschaut meint man fast, tatsächlich im antiken Rom zu sein, weil man nirgends Beton-Stahl-Schuhschachtel-Hochhäuser hat.

Von da oben aus kann man auch ganz gut unser nächstes Ziel erkennen: den Park bei der Engelsburg. Die Engelsburg und vor allem die Engelsbrücke war wieder mit Fidschis besetzt, was besonders lustig war wenn einer spontan"Polizia!" geschrien hat.

Nach einer kurzen Pause ging's dann weiter zum Eröffnungsgottesdienst für die Regensburger: die Lateran-Basilika. Wir waren etwas zu spät dran, entsprechend hat das dann im Inneren ausgeschaut. An jeder Säule lehnt bereits ein Grüppchen teils desinteressiert-verzweifelter, teils fröhlich-kartenspielender-oder-sonst-einen-Schmarrrn-machender Ministranten mit Rucksack und Regensburger Hut. Wie in nem Katastrophengebiet, als hätte es in letzter Zeit ein Erdbeben gegeben und nur der Lateran steht noch. Der Rest des Gottesdienstes war recht amüsant. Wir haben zwar weder den Bischof gesehen noch sind wir (aus Protest) zur Kommunion gegangen, aber dafür war das Tic-Tac-Schießen, Filmen und Kartenspielen recht nett, ja.

Der richtige Abschluß für so einen tollen Tag war der anschließende Besuch im Supermarkt. Also, eigentlich war der Supermarkt ja die Vorbereitung für einen richtig tollen Abschluß des Tages. Immerhin ist Frascati ein weltberühmter Weinort und, ja... guat hat's gschmeckt. Und außerdem hatten wir ja Krankenversicherungskarten dabei und die Malteser im Haus, ideale Bedingungen zum Komasaufen also.

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