Sechster Tag - Weg! Raus! Heim!
Furchtbar. Müde. Aber zum Glück nicht verkatert. Fertig zur Abfahrt? Oh nein. Packen. Ächz. Ich hab gedacht, das hab ich gestern... ?
Ich freue mich schon wieder richtig auf daheim, aber erstmal heißt es warten, bis alle anderen Gruppen abgefahren sind. Warum muß die Verantwortliche vond er Diözese ausgerechnet in unserem Bus sitzen? Endlich sind die anderen Transusen fertig. Ich setze mich in den Bus und schon fühle ich mich wieder wie ein richtiger Mensch. Ich kann sogar wieder in ganzen Sätzen sprechen. Zumindest die ersten paar Minuten, dann entdämmere ich sanft in selige Dunkelheit, weitab von allen ---BLI-ÜP!
Ich hasse sie! Kann die Frau wirklich keine fünf Stunden am Stück die Klappe halten, IST DAS DENN ZU VIEL VERLANGT?! Verdammt nochmal!
Etwa eineinhalb Stunden später...
Ich halt's nimmer aus. Mit dem Mikro hat Gabin noch nie umgehen können, alle halbe Sätze muß sie es wieder einschalten, mit einem Bli-üp daß kein Tauber mehr schlafen kannt.
Später, in der Toskana...
NEIN! NEIN! Bitte nicht, nicht die "kölsche Frohnatur", nicht singen, NEEEEEIIIIIIIN!
(Gott sei Dank hat das der ganze Bus geschrien, sodaß sie wenigstens zum Schmollen mal den mund zugemacht hat. SIEG! Aber das kann nichts Gutes heißen.)
Madagaskar. Wir schauen Madagaskar an. Endlich seh ich Leute mit mehr Verstand als unsere Busbegleitung. Die Vorschriftspausen von Thomas sind die reinste Erlösung.
Später, am Brenner...
GEIL! Wiedermal Vorschriftspause und wißt ihr was? JEDER ist für 30 bis 40° angezogen. Wie viel hat's am Brenner? Na? Na? Dreizehn! GEIL!
Später, irgendwo in den österreichischen Alpen...
NEIN! NEIN! NEIN! Bitte, bitte SING! Sing ti amo oder irgendeinen anderen Schmarrn, den du hundert Pro versaust, aber TU WAS ANDERES ALS UNS AUF "KÖLSCH" VON FRANZ UND SISSI ZU ERZÄHLEN, BLOSS WEIL WIR IN ÖSTERREICH SIND! HALT DEI MAAL!!!
(Mein Zustand wird bedenklich. Mein linkes Auge zuckt und ich kralle die Hände abwechselnd in Sitz und Vorhang, um Krämpfe zu vermeiden. Die psychische Qual ist unvorstellbar. Ich überlege, schizophren zu werden und teste die Reißfestigkeit des Vorhangs. Keiner in meiner unmittelbaren Nähe Waffen oder waffenähnliche Gegenstände bei sich.)
Später, jenseits von Hoffen und Bangen, irgendwo zwischen Verzweiflung und Amoklauf...
Es ist schlimmer als alles, was sich ein geistig normaler Mensch vorstellen kann. Gabi hat das Mikro. Ich bekomme am Rande meines Bewußtseins mit, daß wir die bayerische Grenze passiert haben. Heimat! Ein seliges Lächeln sowie unsere Nationalhymne (die bayerische) breitet sich im ganzen Bus aus. Nicht lange.
Gabi ist der Meinung, daß wir eindeutig zu lange im Ausland waren, und daß wir deswegen logischerweise unsere Muttersprache verlent haben. Also bringt und Gabi Oberpfälzisch bei. Sie spricht uns also eine rabenschwarze Viertelstunde sämtliche Wörter unseres Sprachraums vor, in denen ou vorkommt. Ich kann nicht mehr und schlage verzweifelt auf den Stop-Knopf ein.
"Es git koin Schleudersitz!" Julias Kommentar ist ebenso herzlos wie resigniert.
Gabi fängt an zu rappen. Ihr ist - blitzgescheit - das Oberpfälzer Äquvalent zum Oachkatzlschwoaf eingefallen. Und jetzt klatscht der ganze Bus im "Rhytmus" des "Raps" (Sprechpausen werden durch Leerzeichen/Absätze verdeutlicht):
"Dou da - dierd a da,
Dou da - dierd a da,
Dou da - dierd a da A!
Tschak!
Tschak!
Wimmernd donnere ich meinen Kopf gegen die Scheibe, einerseits weil ich das Glas heraussprengen und aussteigen will, andererseits weil ich auf eine Ohnmacht hoffe. Beides ist nicht der Fall und versuche krampfhaft, mich am Vorhang aufzuhängen. Die deprimierende Erkenntnis ist, daß ich den Vorhang dabei selbst festhalten müßte. Also knalle ich wieder den Schädel gegen das Glas.
Später, eine göttliche halbe Stunde vor Regensburg
Ich habe Kopfweh, nicht nur wegen meiner Radikaltherapie. Die Boum veranstalten den größten Scheiß. Es ist ungefähr zehn Uhr abends und jeder (einschließlich Busbegleitung) will schlafen oder schläft schon, und die machen da hinten einen Lärm, daß nichtmal Oropax was hilft. Auch nicht besonders hilfreich war Peter, der blede Hund, der mich grundsätzlich immer dann mit Blitzlicht photographiert, wenn ich gerade eingeschlafen bin. Auf meine mittlerweile nicht mehr ganz so freundlichen Aufforderungen, den Scheiß verdammt nochmal sein zu lassen, reagiert er mit Analsex-Drohungen. Die Grenze vom Mensch zum Tier ist endgültig überschritten. Ich nehme mir vor, ihn so zum Lachen zu bringen, daß es ihm sein Kinn zerreißt, erinnere mich aber vage daran, daß ich auf einer Wallfahrt bin und klappe stattdessen meinen Sitz bis zum Anschlag zurück.
Dann endlich! Der letzte Gottesdienst! Über die Lautsrpecher dudelt "Unterwegs in eine neue Welt" (Das Lied ist schlimm genug, wenn man es einmal hört. Was es allerdings mit einem menschlichen Gehirn anrichtet, wenn es 14 Stunden am Stück ohnehin schon angeschlagene Geister vollnölt, darüber will ich gar nicht nachdenken.), das Lied der letzten Internationalen Ministrantenwallfahrt. Das aktuelle (wunderschöne) hat Gabi nicht auf CD, deswegen singt sie es selbst, oder versucht es zumindest, bis alle anderen dann schließlich richtig singen und sie sich wohl oder übel anpassen muß.
Als ich dann endlich aussteigen kann, strahle ich über das ganze Gesicht. Endlich daheim! Herrlich. Und in knapp vier Stunden breche ich auf nach Hamburg. Gerade genug Zeit für einen frischen Kaffee (Mama, ich liebe dich!) und um den nächsten Koffer zu packen...
Ich freue mich schon wieder richtig auf daheim, aber erstmal heißt es warten, bis alle anderen Gruppen abgefahren sind. Warum muß die Verantwortliche vond er Diözese ausgerechnet in unserem Bus sitzen? Endlich sind die anderen Transusen fertig. Ich setze mich in den Bus und schon fühle ich mich wieder wie ein richtiger Mensch. Ich kann sogar wieder in ganzen Sätzen sprechen. Zumindest die ersten paar Minuten, dann entdämmere ich sanft in selige Dunkelheit, weitab von allen ---
Etwa eineinhalb Stunden später...
Ich halt's nimmer aus. Mit dem Mikro hat Gabin noch nie umgehen können, alle halbe Sätze muß sie es wieder einschalten, mit einem Bli-üp daß kein Tauber mehr schlafen kannt.
Später, in der Toskana...
NEIN! NEIN! Bitte nicht, nicht die "kölsche Frohnatur", nicht singen, NEEEEEIIIIIIIN!
(Gott sei Dank hat das der ganze Bus geschrien, sodaß sie wenigstens zum Schmollen mal den mund zugemacht hat. SIEG! Aber das kann nichts Gutes heißen.)
Madagaskar. Wir schauen Madagaskar an. Endlich seh ich Leute mit mehr Verstand als unsere Busbegleitung. Die Vorschriftspausen von Thomas sind die reinste Erlösung.
Später, am Brenner...
GEIL! Wiedermal Vorschriftspause und wißt ihr was? JEDER ist für 30 bis 40° angezogen. Wie viel hat's am Brenner? Na? Na? Dreizehn! GEIL!
Später, irgendwo in den österreichischen Alpen...
NEIN! NEIN! NEIN! Bitte, bitte SING! Sing ti amo oder irgendeinen anderen Schmarrn, den du hundert Pro versaust, aber TU WAS ANDERES ALS UNS AUF "KÖLSCH" VON FRANZ UND SISSI ZU ERZÄHLEN, BLOSS WEIL WIR IN ÖSTERREICH SIND! HALT DEI MAAL!!!
(Mein Zustand wird bedenklich. Mein linkes Auge zuckt und ich kralle die Hände abwechselnd in Sitz und Vorhang, um Krämpfe zu vermeiden. Die psychische Qual ist unvorstellbar. Ich überlege, schizophren zu werden und teste die Reißfestigkeit des Vorhangs. Keiner in meiner unmittelbaren Nähe Waffen oder waffenähnliche Gegenstände bei sich.)
Später, jenseits von Hoffen und Bangen, irgendwo zwischen Verzweiflung und Amoklauf...
Es ist schlimmer als alles, was sich ein geistig normaler Mensch vorstellen kann. Gabi hat das Mikro. Ich bekomme am Rande meines Bewußtseins mit, daß wir die bayerische Grenze passiert haben. Heimat! Ein seliges Lächeln sowie unsere Nationalhymne (die bayerische) breitet sich im ganzen Bus aus. Nicht lange.
Gabi ist der Meinung, daß wir eindeutig zu lange im Ausland waren, und daß wir deswegen logischerweise unsere Muttersprache verlent haben. Also bringt und Gabi Oberpfälzisch bei. Sie spricht uns also eine rabenschwarze Viertelstunde sämtliche Wörter unseres Sprachraums vor, in denen ou vorkommt. Ich kann nicht mehr und schlage verzweifelt auf den Stop-Knopf ein.
"Es git koin Schleudersitz!" Julias Kommentar ist ebenso herzlos wie resigniert.
Gabi fängt an zu rappen. Ihr ist - blitzgescheit - das Oberpfälzer Äquvalent zum Oachkatzlschwoaf eingefallen. Und jetzt klatscht der ganze Bus im "Rhytmus" des "Raps" (Sprechpausen werden durch Leerzeichen/Absätze verdeutlicht):
"Dou da - dierd a da,
Dou da - dierd a da,
Dou da - dierd a da A!
Tschak!
Tschak!
Wimmernd donnere ich meinen Kopf gegen die Scheibe, einerseits weil ich das Glas heraussprengen und aussteigen will, andererseits weil ich auf eine Ohnmacht hoffe. Beides ist nicht der Fall und versuche krampfhaft, mich am Vorhang aufzuhängen. Die deprimierende Erkenntnis ist, daß ich den Vorhang dabei selbst festhalten müßte. Also knalle ich wieder den Schädel gegen das Glas.
Später, eine göttliche halbe Stunde vor Regensburg
Ich habe Kopfweh, nicht nur wegen meiner Radikaltherapie. Die Boum veranstalten den größten Scheiß. Es ist ungefähr zehn Uhr abends und jeder (einschließlich Busbegleitung) will schlafen oder schläft schon, und die machen da hinten einen Lärm, daß nichtmal Oropax was hilft. Auch nicht besonders hilfreich war Peter, der blede Hund, der mich grundsätzlich immer dann mit Blitzlicht photographiert, wenn ich gerade eingeschlafen bin. Auf meine mittlerweile nicht mehr ganz so freundlichen Aufforderungen, den Scheiß verdammt nochmal sein zu lassen, reagiert er mit Analsex-Drohungen. Die Grenze vom Mensch zum Tier ist endgültig überschritten. Ich nehme mir vor, ihn so zum Lachen zu bringen, daß es ihm sein Kinn zerreißt, erinnere mich aber vage daran, daß ich auf einer Wallfahrt bin und klappe stattdessen meinen Sitz bis zum Anschlag zurück.
Dann endlich! Der letzte Gottesdienst! Über die Lautsrpecher dudelt "Unterwegs in eine neue Welt" (Das Lied ist schlimm genug, wenn man es einmal hört. Was es allerdings mit einem menschlichen Gehirn anrichtet, wenn es 14 Stunden am Stück ohnehin schon angeschlagene Geister vollnölt, darüber will ich gar nicht nachdenken.), das Lied der letzten Internationalen Ministrantenwallfahrt. Das aktuelle (wunderschöne) hat Gabi nicht auf CD, deswegen singt sie es selbst, oder versucht es zumindest, bis alle anderen dann schließlich richtig singen und sie sich wohl oder übel anpassen muß.
Als ich dann endlich aussteigen kann, strahle ich über das ganze Gesicht. Endlich daheim! Herrlich. Und in knapp vier Stunden breche ich auf nach Hamburg. Gerade genug Zeit für einen frischen Kaffee (Mama, ich liebe dich!) und um den nächsten Koffer zu packen...
Rattenfänger - 25. Aug, 18:24
