Mittwoch, 30. August 2006

Hamburg

Ich liebe mein Leben. Gestern früh um acht war ich noch in Rom in einem Bus. Jetzt ist es zwei Uhr nachmittags und ich bin in Hamburg in einem Auto. Ist das Leben nicht einfach toll? Ich mag's :D

Und ich mag das renovierte Parkhaus in unserem Hotel in Bergedorf. Eine Ecke ist blau-weiß gestrichen und es kleben Plakate von Schloß Neuschwanstein mit der Bildunterschrift "Willkommen in Bayern" an der Wand. Wei daham! Bild folgt.

Der Sonntagnachmittag war nach der langen Fahrt entsprechend entspannend. Abends gehen wir wie immer nach Bad Segeberg zu den Karl May Festspielen, heuer das letzte Mal mit Gojko Mitic als Winnetou. Passenderweise wird Winnetou III gespielt und die Kinder schlagen sich unten beinah die Schädel ein, um den Schauspielern nach dem Stück die Hand abklatschen oder Gelberüben für die Pferde geben zu können. Es war ergreifend.

Mittlerweile will ich mich beinahe zwanghaft duschen. Gleich nach dem Auspacken war ich unter der Dusche und jetzt vor dem Schlafengehen schon wieder? Ich habe den Griff schon in der Hand, kann mich aber im letzten Moment vor einer Dummheit bewahren.

Nächster Tag, Montag. Der erste entspanndende Start in eine Woche seit... seit wann eigentlich? Seit dem Montag nach dem Palmsonntag? Und dann auch noch mit diesem genialen Frühstücksbüffet. Zum Reinlegen.

Wir machen wiedermal Sightseeing für solche, die Hamburg schon kennen, bummeln gemütlich durch die Hafen City, die größtenteils noch eine gigeantische Baustelle ist, wo man aber auch schon an vielen Stellen sehen kann, wie teuer hier die Mieten sein werden. Aber ein eigenes Stückchen Strand am Elbufer in einem Nobelmietshaus... wenn einer von euch nicht weiß, was er mir zum Geburtstag schenken soll, schenkt mir eine Wohnung mit Dachterrasse direkt an der Elbe. Der Waseberg ist sowas von out, ist der.

Die Runde geht weiter zur Speicherstadt und den Landungsbrücken. Bei dem herrlichen Wetter sind sie wiedermal überfüllt, aber aus gutem Grund. Von hier aus sehen wir auch den König den Löwen und die Musical-Fähre, aber heuer wird das leider nichts mehr. Wir spazieren gemütlich die Landungsbrücken entlang, aber in den letzten zwei Jahren hat sich nciht allzu viel verändert. Die Geschäfte sind immer noch der übliche Mix aus Souvenir- und Freßläden, dazwischen ein paar Ticketschalter für Hafenrundfahrten. Die anderen gönnen sich ein Eis, aber ich kann einfach nicht mehr. Die letzten sechs Tage hatte ich beinahe jeden Tag eine bis drei Portionen vom besten Eis der Welt. Ich kann dieses ... Zeug nicht runterwürgen. Die Eisdiele hatte weniger als 20 Sorten, nichtmal Mango war dabei! Also bitte.

Nach einer gemütlichen Pause schlendern wir weiter, Richtung alter Elbtunnel. Irgendjemand mag uns. Heute ist er für Autos gesperrt und wir können in aller Ruhe unsere Runde unter der Elbe durch drehen und die Kühle hier unten genießen. das heißt, die anderen genießen sie. Mir ist immer noch nicht ganz wohl bei dem Gedanken daran, daß ich bei 25 Grad mit nichts anderem als einem T-Shirt herumlaufe. Versteht mich nicht falsch, ich friere nicht, aber aufeinmal nicht mehr zu schwitzen ist beinahe unheimlich.

Mit der "U-Bahn", die in Hamburg größtenteils oberirdisch verläuft und einen hervorragenden Ausblick auf die Stadt bietet, fahren wir zum Rathausplatz. Dort ist heute nicht nur Christopher Street Day (in angenehmer Entfernung, man hört nur was, wenn der Wind günstig steht) sondern auch noch das Schwäbische Weindorf aufgebaut. Ich bin immer noch so richtig schön in Frascati drin und sage natürlich nicht nein, vor allem, weil die Schwaben uns noch halbwegs an daheim erinnern (ein bißchen mehr als die Hamburger, aber auf keinen Fall mehr als das Plakat in der Garage) und es reichlich Zwiebel- und Flammkuchen gibt. Und Waffeln, wahlweise mit Schoko oder frischen Erdbeeren und Erdbeersauce. Ich bestelle eine mit Erdbeeren und kriege aus Versehen Schokosauce drauf. Es gibt einen Gott, und er liebt mich!

Abends wollen meine Eltern in den Botanischen Garten und die "Planten un Bloomen"-Vorstellung zu sehen, Wasser- und Lichtspiele mit Musik. Meine Füße sind jenseits von Kühlgel und ich schlafe beinahe auf meinen Füßen ein. Außerdem hab ich das vor fünf Jahren schonmal gesehen. Nur noch unter die Dusche und dann ins Bett...

Es ist ein wundervoller Dienstagmorgen nach einer viel zu kurzen Montagnacht, aber bei so einem Frühstücksbüffett steh sogar ich gerne auf. Noch dazu, weil ich heut endlich neue Schuhe kriege! Meine Sandalen kann ich nur noch anziehen, wenn ich mich mit den Zehen reinkralle und das Loch in meinen Turnschuhen wird auch nicht kleiner. Bald werde ich nur noch die Option zwischen Winterstiefeln und barfuß haben. Aber heute wird einstimmig zum Einkaufstag bestimmt.

Also, auf zum Mercado, dem Harrod's für Arme in Hamburg! Sobald wir aus der U-Bahn aussteigen, steuern meine Mutter und ich zielstrebig den Nanu-Nana an, der tatsächlich sehr viel schönere Sachen als der in Weiden hat. Was für eine Überraschung aber auch. Ich erwähne das bloß, weil ich hier etwas für Nadja, Leni, Rocco und Maria gesehen habe. Freut euch drauf ;)

Im Mercado bekommt jeder seine Freizeit und ich zeihe prompt mit meinem Brudrer los und komme mit vor, als hätte ich Anne und Eva dabei. Die nächste Dreiviertelstunde bleiben wir im H&M hängen. Ich hätte mir beinahe einen Hut gekauft, erinnere mich aber gerade noch rechtzeitig daran, daß ich kein diözesanes Erkennungszeichen mehr brauche und daß ich auch nicht mehr tot umfalle, wenn ich ohne Hut nach draußen geh. Dann endlich können wir in die Elektronikabteilung und die Spiele durchschauen. Natürlich gibt es kein einziges, das runtergesetzt wäre. Ich bin maßlos enttäuscht und beschließe, das nächste Mal in Weiden einkaufen zu gehen. Wenigstens lösen die H&M-Shirts nicht wieder den Alarm des Elektrogeschäfts aus wie vor zwei Jahren.

Es folgt eine unschöne Episode in einem italienischem Schnellrestaurant im ersten Stock, wo mein Bruder nur auf Bayrisch und ich in einem Gemisch aus Bayrisch, Hochdeutsch und Italienisch beim deutsch-türkischen Kellner bestelle. Es gibt Reflexe, die man sich besser abgewöhnen sollte.

Ein Gutes hatte das Mittagessen aber doch, abgesehen davon, daß es gut war. In unserem Blickfeld waren gleich drei Schuhgeschäfte. Nachdem wir alle drei abgeklappert haben ohne auch nur im entferntesten so etwas wie einen schönen Schuh zu finden, treffen wir uns wieder mit unseren Eltern und gehen prompt schon wieder Eisessen. Ich weigere mich standhaft, dazubleiben und schaue derweil in den Hugendubel.

Als ich wiederkomme hat mein Bruder einen Früchtebecher bestellt, in den ich mich wirklich problemlos hätte reinlegen können, in dem als Krönung ein Fächer steckt (Bild folgt). Kann man den Kerl denn keine halbe Stunde allein lassen? Jetzt soll ich auch noch die ganzen Früchte essen weil er natürlich keine Früchte mag. Logisch, warum sonst sollte man sich einen Früchtebecher bestellen? Ich hau ihm demonstrativ mit dem Fächer auf den Kopf und stelle fest, daß der Fächer wie eine Trommel klingt, wen man ihn gegen irgendetwas schlägt. Womit wir die nächsten zehn Minuten verbracht haben, dürfte klar sein. Als die Wirkung des Fächers ausgereizt war, beschließen Ludwig und ich, in die Zoohandlung zu gehen und die Fische zu ärgern. Hehe.

Nachdem wir die Fische ausreichend verarscht haben und einen Verkäufer gefragt haben, ob es beim Kauf einer Schlange fünf Mäuse gratis dazu gibt, verlassen wir samt Eltern und vollen Einkaufstüten den Mercado und durchsuchen den Schuhladen nebenan. Ich finde Flip-Flops für den Strand, mehr aber auch nicht. Hoffentlich haben wir verdammt schönes Wetter auf der Insel.

Eigentlich wollten wir jetzt noch zu Innenalster und in die Fußgängerzone, aber irgendwie ist jeder geschafft, und am Strand kann man sowieso barfuß gehen, und überhaupt wollten wir noch ans Elbufer, also setzen wir uns in die nächste U-Bahn Richtung Blankenese und nehmen den Bus zum Elbufer. Mittlerweile bin ich froh, einen Pulli gekauft zu haben. Es sieht nach Regen aus, aber irgendwer da oben mag mich und läßt uns in aller Ruhe den frühen Abend an der Elbe genießen. Es regnet erst, als wir gemütlich im Bus sitzen und hört wieder auf, als wir umsteigen müssen um zur U-Bahn zurückzufahren.

Hamburg ist eine wunderschöne Stadt, aber in der Nacht und bei Regen (und mit diesem Busfahrer: "Hummel hummel, moin moin, guten Tag, einen wunderschönen Feierabend zusammen und ein herzliches Grüßgott an unsere bayrischen Gäste.") würd ich es gegen kein Rom der Welt eintauschen. Welcher Idiot ist eigentlich auf die Idee gekommen, das Berlin Hauptstadt spielen soll?

Mittwoch. MittwochMORGEN, das heißt, das ist das letzte Mal, daß ich dieses Büffet mit dem ich aufgewachsen bin (jedenfalls in den ersten drei Tagen im Urlaub), benutzen darf. Und das tu ich auch, soll ich doch Bauchweh kriegen bis es mich zerreißt, heute ist sowieso schon wieder ein Autotag.

Heute geht es nämlich endlich dahin, wo ich shcon seit einem halben Jahr hinwill. Nach Föhr. Gleich nach dem Frühstück fahren wir. Endlich.

Etwas stimmt heuer nicht. Etwas ist ungewöhnlich, direkt unheimlich. Wir müssen auf die Fähre warten. Eine ganze Viertelstunde. Ich kann mich vage daran erinnern, daß wir einmal eine ganze Stunde haben müssen, aber damals hatte ich noch Zahnlücken! Seitdem waren wir zur Überfahrt so pünktlich, daß uns der Kontrolleur einmal nur noch "Viel Glück!" gewünscht hat. Das kann nichts Gutes bedeuten. Hoffentlich haben wir keinen Schiffbruch.

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