Samstag, 12. August 2006

Zweiter Tag - Vatikan

Das Abendessen gestern war sowas von gut! Vorspeise zum Reinlegen, riesiger Hauptgang und ne super Nachspeise, und das jeden Tag. Ich liebe italienisches Abendessen. Was wird's denn dann erst heute Gutes zum Frühstück geben?

Nichts. Oder besser: Nichts mit handtellergroßen, vom Abendessen übriggebliebenen Weißbrotstücken, Milchkaffee (den Kaffee hat man suchen müßen...), und Sparportionen Marmelade. Nein, kein Butter. Naja... man muß nehmen, was man kriegt.

So gestärkt bringt uns Thomas schnell zur Endstation der Metro (Linie A, für die Interessierten), wo wir uns gleich wie zuhause, bzw. an der tschechischen Grenze, fühlen: ein Fidschimarkt! Da wir allerdings nicht 14 Stunden gefahren sind, um die italienischen mit den tschechischen Fidschis zu vergleichen, hetzt Gabi uns weiter in die herrlich klimatisierte Metro und ans andere Ende von Rom, in die Via Ottaviano, einer von weiteren Fidschis beschlagnahmten Straße, die uns direkt zum Petersplatz führt. Hier hatten wir die erste von vielen Begegnungen mit Ministrantengruppen aus anderen Ländern, erkennbar an Halstüchern und Fahnen: Ungarn (orange), Österreich (rot) und die Kerle mit der Deutschlandfahne müßen Preußen sein.

Es SIND Preußen, denn aufeinmal singt da irgendwer zu unseren Fahnenträgern rüber, daß man den Bayern die Lederhosn ausziehen soll. HALLO?! Wer hat diese preißischen Saukepf überhaupt nach Rom eingeladen, wo kommt der her? Wir sind so geschockt und in unserem Nationalstolz und unserem Glauben an Deutschland so tief getroffen, daß uns nichteinmal eine passende Erwiderung einfällt.

Am Petersplatz angekommn wird erstmal einstudiert, was in den nächsten Tagen Standartprogramm wird: Blau-weiße Rautenfahne suchen, Wasserstelle suchen, Trinkwasser nachfüllen und dann zur verzweifelt zählenden Gabi rennen und möglichst unschuldig-interessiert dreinschauen.

Der Petersplatz ist riesig, genauso der Petersdom. Man kann sichd as gar nciht richtig vorstellen, bis man selbst mal drin gewesen ist. Und selbst wenn man dann unter der Kuppel mit dem Petersgrab steht, wie groß das Ding tatsächlich ist, sieht man erst wenn man raufklettert. Ach ja, ich hab dem heiligen Petrus seine verdammten Füße weder gestreichelt noch geküßt, und zwar demonstrativ.

Jetzt würde ich gerne sagen gesagt, getan, wir sind auf die Kuppel gestiegen. IN Wirklichkeit hat das dann so ausgeschaut, daß wir ungefähr eine Stunde angestanden sind, bis wir uns dann tatsächlich anstellen durften. Und das in einer Menschenmenge, in der man bei meiner Größe egal wo man sich hindreht ständig den Kopf unter irgendeiner Achselhöhle hat. Gott sei Dank ist mit uns eine Gruppe aus Wien angestanden, mit denen hat man sich ganz nett unterhalten können.

Die folgenden drei Stunden haben wir damit verbracht (zumindest der Teil, der auf die Kuppel und nicht in die Gräber wollte) Treppen zu hochsteigen, uns den Petersdom von innen anzusehen und die Treppen wieder runterzusteigen. Jetzt ist der Dom sowas von riesig und dann bauen sie die Treppenhäuser immer noch so, daß ich Platzangst krieg. Katholiken sind unsympathisch, und ich weiß warum.

Aber, oh Mann, hat sich das gelohnt. Der Petersdom von oben innen war ja schon ein Anblick, aber Rom und der Vatikan von oben außen... herrlich. Überall diese schönen gelblichen Häuser (der letzte Anstrich ist bei den meisten schon etwas her) mit den grünen Fensterläden, der blaue Himmel und überall grüne Parks. Ganz zu schweigen von den vielen antiken Bauwerken. Die fallen auf den ersten Blick gar nicht auf, aber wenn man sich mal ein paar Minuten lang nur einen Tempel anschaut meint man fast, tatsächlich im antiken Rom zu sein, weil man nirgends Beton-Stahl-Schuhschachtel-Hochhäuser hat.

Von da oben aus kann man auch ganz gut unser nächstes Ziel erkennen: den Park bei der Engelsburg. Die Engelsburg und vor allem die Engelsbrücke war wieder mit Fidschis besetzt, was besonders lustig war wenn einer spontan"Polizia!" geschrien hat.

Nach einer kurzen Pause ging's dann weiter zum Eröffnungsgottesdienst für die Regensburger: die Lateran-Basilika. Wir waren etwas zu spät dran, entsprechend hat das dann im Inneren ausgeschaut. An jeder Säule lehnt bereits ein Grüppchen teils desinteressiert-verzweifelter, teils fröhlich-kartenspielender-oder-sonst-einen-Schmarrrn-machender Ministranten mit Rucksack und Regensburger Hut. Wie in nem Katastrophengebiet, als hätte es in letzter Zeit ein Erdbeben gegeben und nur der Lateran steht noch. Der Rest des Gottesdienstes war recht amüsant. Wir haben zwar weder den Bischof gesehen noch sind wir (aus Protest) zur Kommunion gegangen, aber dafür war das Tic-Tac-Schießen, Filmen und Kartenspielen recht nett, ja.

Der richtige Abschluß für so einen tollen Tag war der anschließende Besuch im Supermarkt. Also, eigentlich war der Supermarkt ja die Vorbereitung für einen richtig tollen Abschluß des Tages. Immerhin ist Frascati ein weltberühmter Weinort und, ja... guat hat's gschmeckt. Und außerdem hatten wir ja Krankenversicherungskarten dabei und die Malteser im Haus, ideale Bedingungen zum Komasaufen also.

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

Wo sind denn die ganzen...
Obwohl ich es ja geradezu darauf angelegt habe, kamen...
Rattenfänger - 6. Okt, 18:13
Endlich...
Der lang erwartete, heiß ersehnte, "müßte unbedingt...
Rattenfänger - 27. Sep, 15:21
Fortsetzung + zweite...
Ich hätte meine Sandalen nie am Strand anziehen dürfen,...
Rattenfänger - 17. Sep, 15:21
Erste Woche
Auf der Fähre wird's erst richtig schön. Der Wind auf...
Rattenfänger - 31. Aug, 00:38
Hamburg
Ich liebe mein Leben. Gestern früh um acht war ich...
Rattenfänger - 31. Aug, 00:29

Suche

 

Status

Online seit 7241 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 6. Okt, 18:13

Credits


Elbgrüße
Nordseegrüße
Romgrüße
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren